Vorgehensweise beim Einrichten und Sanieren von Routen von oben

Hierbei handelt es sich um eine Auflistung, die im Moment keinen Anspruch auf Reihenfolge und Vollständigkeit hat. Ergänzungen von euch sind sehr willkommen (per EMail an begreiflich@tiscali.ch). Walter Britschgi / 20.11.2005

1. Provisorische Umlenkung und oder Standplatz einrichten

Ein einziger Segmentanker in solidem Fels reicht (Bedingung: man muss ihn selber gesetzt haben). Andere Möglichkeiten: Haken, Klemmkeile, Friends oder ein Baum. Vorsicht beim Benützen und/oder Setzen von Verbundanker (Klebeanker): hier sind umfangreiche Sachkenntnisse notwendig!

Bei der Wahl des definitiven Standplatzes achte man auf:

  • Seilführung (keine scharfen Kanten)
  • Kleiner Sims zum Stehen
  • Standhaken gemäss Selbstsicherungsschlinge eher hoch setzen
  • Einwandfreie Felsqualität ist zwingend

2. Route klettern

Mit einem ganzen Paket an Massnahmen und Berücksichtigungen

  • Lose Schuppen und Steine entfernen
  • Kletterbarkeit überprüfen (frei? A0? Kunstgriff?)
  • Die Schwierigkeitsgrade müssen nicht zwingend homogen sein
  • Homogene Schwierigkeitsgrade sind jedoch beliebt
  • Linienführung in Bezug auf natürliche Strukturen wie Risse, Verschneidungen, usw.
  • Linienführung in Bezug auf andere mögliche benachbarte Routen mit anderen Schwierigkeitsgraden
  • Felsqualität in Bezug auf das Setzen der Bohrhaken: Die Umgebung der Bohrstelle mit Hammer abklopfen und alle Abstufungen von der hohl klingenden Schuppe bis zum festen Fels abhören
  • Felsqualität in Bezug auf das Legen der Keile und Friends. Klemmkeile und Friends erzeugen bei Sturzbelastung hohe Druckkräfte

3. Die Platzierung der Bohrhaken

Sanierung: Die alten Haken haben in der Regel keinen Einfluss auf die Platzierungen der neuen Haken. Ausnahme: Routen, welche museumsreif sind und dessen Haken wirklich nur vom Erstbegeher gesetzt wurden. Eine Neuplatzierung beinhaltet:

  • Bequem auf Schulterhöhe einhängen können ist oft das Sicherste
  • Mit Farbstift die Platzierung der Bohrhaken mit einem kleinen x kennzeichnen
  • Mehrmals Klettern und mit einem Kreis das x-Zeichen bestätigen oder neuen Ort kennzeichnen
  • Sturzraum beachten (Boden, Zwischenboden, Sims, schräge Platte unter senkrechter Wand!!)
  • Fallhöhe (mindestens den dreifachen Abstand Anseilpunkt – Express)
  • Seilführung (kein Zick-Zack wegen Seilreibung)
  • Seilführung in Bezug auf Stolperfallen bei einem Ausrutscher des Vorsteigers
  • Ist der nächste Haken für Wiederholer sichtbar oder mindestens die Kletterlinie gut sichtbar?
  • Sind die Haken mit eingehängter Expressschlinge für Tritte behindernd?
  • Karabinerknickbelastungen und scharfe Kanten für Seile vermeiden
  • Keine Gemeinheiten einbauen: z.B. Haken absichtlich extrem tief setzen, damit eine Stelle zwingend wird, kann gemein sein

4. Das Setzen der Bohrhaken (Segmentanker)

  • Bohrerdurchmesser = Segmentankerdurchmesser (in der Regel 10 mm)
  • Bohrtiefe = Segmentankerlänge oder etwas weniger
  • Bohrhaken möglichst in kleine Dellen (in Bezug auf Grösse der Plättli) anstatt auf kleine Buckel setzen, damit das Plättli gut festsitzt
  • Rechtwinklig zur kleinen Auflagefläche des Plättlis bohren
  • Bohrstaub aus dem Bohrloch entfernen
  • Beim Einschlagen des Segmentankers nicht das Gewinde beschädigen und nicht auf die Schraubenmutter schlagen
  • Belastungsrichtung beachten, Plättli ausrichten (Irnigerplättli können aufgrund der Drehrichtung der Schraubenmutter etwas aufrechter montiert werden
  • Möglichst mit Drehmomentschlüssel arbeiten:
    • Chromstahl M 10: 25 – 30 Nm (mit Gabelschlüssel recht satt anziehen)
    • Verzinkt M 10: 30 – 45 Nm (mit Gabelschlüssel etwas kräftig anziehen)
  • Bei Routenkreuzungen farbige Zeichen setzen
  • Segmentanker bieten keine Möglichkeit zur Diebstahlsicherung der Plättli
  • Silikon ist ungeeignet

5. Route im Vorstieg klettern und alles überprüfen

  • Seilzug beachten
  • Seillänge überprüfen
  • Alle freuen sich am vollbrachtem Werk (man kann sich auch während der Arbeit am Ambiente erfreuen)

6. Standplatz einrichten

  • Im Granit alle Materialien aus Chromstahl
  • Im Kalkfels sind verzinkte Materialien auch vertretbar
  • Die neue Irniger-Platte aus Chromstahl mit Kettenglied aus Chromstahl (= Maillon rapide, mit Gabelschlüssel festschrauben) ist in vielerlei Hinsicht das Beste. Bei stark frequentierten Standplätzen in Mehrseillängen-Routen kann zusätzlich ein Haken daneben gesetzt werden.
  • Im Granit keine verzinkten Baumarkt-Ketten verwenden
  • Manchmal kann bei Standplätzen die Irniger-Platte nicht verwendet werden, weil Felsunebenheiten im Bohrbereich das nicht zulassen. Dazu folgende alternative Standplätze:
    • 1. Beispiel: Bei einem Standplatz mit zwei genau übereinander gesetzten Haken müssen im oberen Plättli zwei Kettenglieder und im unteren ein Kettenglied montiert werden. Vorteil: Es braucht keine Hakenverbindung bei weit auseinander gesetzten Haken
    • 2. Beispiel: Haken die nahe beieinander gesetzt sind können mit einer Chromstahlkette verbunden werden. Dabei benötigt man ebenfalls drei Maillon rapide. Zwei Maillon sind für die Kettenverbindung gedacht und das dritte wird vor Ort in eines der beiden montiert und dient dem Abseilen. Das dritte Maillon ist somit „aufgestellt“ montiert, und garantiert ein leichtgängiges Seilabziehen und schont das Seil.

7. Demontage von Haken und Bohrhaken

  • Sogenannte Normalhaken hin- und herschlagen und mit Hammerhaue heraushebeln
  • Alte Bohrhaken mit entsprechendem Schlüssel entfernen (z.B. Inbus)
  • Alte Ringhaken abschlagen
  • Haken die trotz aller Bemühungen nicht entfernt werden können, müssen mittels Abbiegen unbrauchbar gemacht werden
  • Segmentanker, die zu weit vorstehen: Ansägen, Biegen, Abschlagen und Versenken (vorher etwas herausziehen!)
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