Geschichte

(c) 1966 by Ruedi Süess

APOKALYPSE

Gründungsversammlung vom 24. auf den 25. November 1956 in der Brunnihütte, Engelberg.

Endlich war es soweit! Ein gemeinsamer Gedanke hatte sieben Kameraden auf die Brunnihütte geführt. Heute sollte der schon lange fällige Kletterklub gegründet werden. Draussen lag bereits der erste Schnee.

Unsere Tischrunde bestand aus den Kameraden Max und Ruedi Eiselin, dann Sepp Meier, ein etwas komischer Kauz, weiter Kurt Grüter, genannt der „Schreckliche“ und Sepp Inwyler, der Charmeur der Luzerner Frauen. Vor lauter Bescheidenheit hätte ich meine Wenigkeit fast vergessen. Als Beobachter war Rolf Arnold aus Deutschland anwesend. Ihm ist es zu danken, dass unsere Versammlung nicht schon von Anfang in ein Trinkgelage ausartete. Entschuldigt hatten sich die Kameraden: Gottlieb Strässle, Dölf Hüsler, Ruedi Hauke, Fridolin Haider und Alfons Röthlin.

Einer unserer lieben Kameraden war leider bereits nicht mehr unter uns. Freund Thedy Amstalden verunglückte am 14.10.56 in der Wellhorn Südostwand. Die, die Thedy gekannt haben, werden begreifen, welchen Verlust dies für unsere BGA bedeutete. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Zum geschäftlichen Teil ist folgendes zu sagen: Zuerst verlas Max Eiselin die von ihm entworfenen Statuten. Diese wurden im Grossen und ganzen angenommen. Während der nun folgenden Diskussion wurden folgende Vorschläge gemacht:

  • Verheiratete Mitglieder haben die gleichen bergsteigerischen Anforderungen zu erfüllen wie die Ledigen. Es soll höchstens eine kleinere Tourenliste akzeptiert werden.
  • Kurt Grüter macht den Vorschlag, dass bei der Aufnahme von Kandidaten die Ideale wie Hüttenleben und Trinken, äh…  Klettern massgebend seien. Ferner machte er den Vorschlag eine eigene Zeitung, die „Kletterpost“ herauszugeben. Dieser Vorschlag wurde zwar gutgeheissen, aber nie ausgeführt: Wäre diese Kletterpost je einmal erschienen, so hätte Toni Hiebeler mit seinem „Alpinismus“ nie Überlebenschancen gehabt.
  • Der Vorschlag, Frauen als Mitglieder aufzunehmen, wurde einstimmig gutgeheissen (ob da wohl l…. Hintergedanken dabei waren).
  • Mein Vorschlag, finanzkräftige Passivmitglieder in unseren Reihen aufzunehmen, wurde dagegen abgelehnt.
  • Als äusseres Erkennungszeichen wurde ein gemeinsamer Ruf oder Jodel vorgeschlagen. Da dies bis jetzt aber immer noch nicht der Fall ist, möchte ich den aus Liverpool importierten Ruf: „YEAH-YEAH“ zum Vorschlag bringen. An Stelle eines teuren Steinschlaghelmes könnten wir uns auch eine Beatles-Frisur wachsen lassen, die eigentlich den gleichen Zweck erfüllen würde.

Am Schluss der Versammlung wurde dann unser Vorstand gewählt.

Präsident: Max Eiselin
Tourenbuchführer: Sepp Inwyler
Rettungschef: Kurt Grüter
Literatur: Gottlieb Strässle
Kassier/Aktuar: Ruedi Eiselin

Nun war es endlich soweit, dass wir die Gründung der BGA auch gebührend feiern konnten: Jeder hatte in seinem Rucksack genügend Essen und Trinksame mitgebracht. Ganz im Geiste unserer Gemeinschaft wurde alles zusammengelegt, so dass sich jeder aussuchen konnte, was er am liebsten mochte. Es wurde getrunken, gesungen, gejohlt, bis es dann so richtig „glatt“ wurde. Böse Zungen haben behauptet, dass wir alle „besoffen“ gewesen waren.

Als wir dann so richtig in Fahrt waren, kamen wir auf die ungarischen Freiheitskämpfe zu sprechen. Als allgemein bekannte, wilde Gesellen war es klar, dass wir für die Kämpfer in Ungarn sofort Partei annahmen. In einstimmiger Resolution wurde sofort beschlossen, dass wir diesen helfen werden. Wir konnten dies zwar nur symbolisch, aber dafür umso energischer tun. Sepp Inwyler hatte draussen vor der Hütte eine Art Bohnenstangen entdeckt. Mit diesen bewaffneten wir uns, sodass wir wie ein Haufen alter Eidgenossen aussahen. Nun galt es noch die Opfer zu finden: Herhalten mussten die mit Seegras gefüllten Matratzen der Hütte. Diese wurden an Stelle der ungarischen Unterdrücker an der Decke aufgehängt und bestialisch niedergemetzelt. Als bei allen Opfern die Eingeweide heraushingen, wurden diese die Kellertreppe, die als Massengrab diente, heruntergeworfen und dort begraben!

Da sich einige Kameraden kampfesmüde ins Bett zurückgezogen hatten, wurden sie mit Schnee wieder aus Morpheus-Armen zurück geholt. Inzwischen hatte Seppi vor der Hütte eine wichtige Sitzung abgehalten, von der er mit einer riesigen Stange bewaffnet zu uns zurückkehrte. Wie Winkelried, anno dazumal, ging er nun ganz allein gegen den Feind vor. Sein Angriff war so wirkungsvoll, dass er nebst der Petroleumlampe auch gleich noch die Fenster der Verbindungstür herausschlug. Nur mit Mühe konnten wir ihn davon abhalten, die restlichen Fenster auch noch zu demolieren!

Inzwischen begann es draussen bereits zu tagen; Müde und abgekämpft legten wir uns nieder. Lange sollte unsere Ruhe aber nicht dauern, denn durch den alten Odermatt wurden wir sehr unsanft aus unseren Träumen gerissen. Was der uns alles an den Kopf geworfen hat, lässt sich aus Pietätgründen nicht niederschreiben: Wie junge Rekruten wurden wir herumkommandiert, denn in einer halben Stunde waren ja bereits die ersten Skifahrer zu erwarten. Sämtliche gelben, braunen und andersfarbigen Flecken rund um die Hütte mussten mit Schnee zugedeckt werden.

Was mögen wohl die ersten Ankömmlinge gedacht haben, als sie der sieben Alkoholleichen ansichtig wurden? Nach dem Morgenessen, übrigens Wienerli mit „gschlagnem“ Rahm war es uns unter den vielen Leuten nicht mehr so recht wohl und wir zogen es vor in Richtung Tal zu verschwinden!

Das Ende des Liedes war, dass unser Kamerad Seppi Meier, um alle „Kriegsschäden“ zu reparieren, dazu drei Sonntage opfern musste. Unser Präsident erhielt von der Sektion Engelberg Hüttenverbot für die Brunnihütte aufgebrummt!

DIE BGA WAR GEGRÜNDET!!!


Eine Antwort zu Geschichte

  1. Werner Mantel schreibt:

    Hoi Zäme
    Gratuliere zur neuen und sehr gut gelungenen Webseite. Was sehr lange dauerte wurde nun endlich verwirklicht.
    Danke für die Arbeit und freue mich auf die kommenden inhalte.
    Werner Mantel

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